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Ernährungstipp: Die Ernährung der jungen Männer
10.10.2011

Der nachfolgende Ernährungstipp beschäftigt sich mit dem Thema Ernährung von männlichen Jugendlichen. Gerade die Adoleszenzphase (späteres Jugendalter) stellt viele Jugendliche vor neue Herausforderungen, da alte Gewohnheiten aus der Kindheit teilweise aufgegeben werden um dafür eine neue und unbekannte Lebenskultur aufzunehmen. Welche Rolle spielt dabei die Ernährung? Ist es überhaupt möglich, Jugendliche in dieser Aufbruchphase für gesunde Ernährung zu gewinnen?
Die Pubertät zeichnet sich durch radikale körperliche und psychische Veränderungen aus. Das Hormon GnRH (Gonadotropin Releasing Hormon) gibt dabei den Anstoß für die Wandlungen im Körper. Es entsteht plötzlich in größeren Mengen im Hypothalamus und regt die benachbarte Hirnanhangdrüse an, die Botenstoffe – luteinisierendes Hormon (LH) bzw. follikelstimulierendes Hormon (FSH) – zu bilden, die auf Hoden und Eierstöcke wirken, wo die eigentlichen Geschlechtshormone produziert werden.
Die Wachstumssteigerung am Beginn des Lebens verlangsamt sich in den ersten drei Lebensjahren stetig, bleibt dann von vier bis zehn Jahre fast konstant bei zirka sechs Zentimeter pro Jahr, um dann bis 14 wieder schnell anzusteigen. Eine gängige Erklärung ist, dass das Körperwachstum verzögert werden musste, um eine Phase zu schaffen, in der die Menschen ungefährdet all die sozialen und kulturellen Fähigkeiten lernen und üben können, die den Menschen ausmachen.
Während dieser Zeit nimmt auch der Knochen an Dichte zu: bei Mädchen bis ca. 17 Jahre, bei Burschen bis in die frühen zwanziger Jahre. Das Längenwachstum beginnt bei Jungen etwa zwei Jahre später als bei Mädchen – zirka mit 14 Jahren – und endet etwa mit dem 19. Lebensjahr. Gemeinsam mit dem Knochenwachstum geht auch eine größere Muskelmasse einher. Bei männlichen Jugendlichen ist das Muskelwachstum ausgeprägter als bei weiblichen. Das Fettgewebe steigt bei Burschen während der Pubertät auf ca. 15 %, während es bei Mädchen durchschnittlich 22 % ausmacht.
Wie Ergebnisse des österreichischen Ernährungsberichts zeigen, steht gesunde Ernährung bei männlichen Jugendlichen nicht im Vordergrund. Burschen essen rund 10 % weniger Gemüse und etwa ein Drittel weniger Obst als Mädchen. Besonders auffällig ist der doppelt so hohe Fleischverzehr bei männlichen Jugendlichen gegenüber den weiblichen.
Die Berufstätigkeit beider Elternteile sowie flexible Arbeitszeiten bringen weiters Veränderungen im Essalltag. Etwa ein Drittel der Jugendlichen verbringt das Abendessen gemeinsam mit der Familie. Die meisten versorgen sich häufig selbst, indem sie z. B. Vorbereitetes aus dem Kühlschrank aufwärmen, ein Brot schmieren oder selbst gekaufte Snacks essen. Wird außer Haus gegessen, verlockt das vielfältige Fast-Food-Angebot vor allem junge Männer. 16- bis 17-jährige Burschen nehmen in Deutschland fast dreimal so viel Energie über Fast Food zu sich wie Mädchen. Umso wichtiger ist es, den Esstisch als wichtigen Ort der Familienkommunikation aufrechtzuerhalten. Studien weisen darauf hin, dass die Gespräche am „Familientisch“ vielen Jugendlichen wichtig sind und dass die Bindung zur Familie in den vergangenen Jahren sogar wieder zugenommen hat.
Auch die Ergebnisse des deutschen Bundesfamilienberichts zeigen, dass vor allem in Familien mit größeren zeitlichen und finanziellen Ressourcen die Tendenz zunimmt, Kinder von der Mithilfe bei der Hausarbeit zu befreien.
Besonders für junge Männer ergibt sich aus den gesellschaftlichen Vorstellungen von Männlichkeit und Mannsein eine sehr spannungsgeladene und oft schwer zu bewältigende Situation. Das traditionell wie auch kulturell verankerte Männlichkeitskonzept (Stärke, Konkurrenz und Risikofreude) steht einem neuen Männerbild wie Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit, Selbst- und Körperbezug gegenüber. Finden Burschen keinen stabilen äußeren Halt, fallen viele Burschen wieder auf das traditionelle Männerbild zurück. Laut Prof. Barbara Methfessel übt die Bewältigung dieser Entwicklungsaufgaben einen großen Einfluss auf das Gesundheits- bzw. Ernährungsverhalten aus.
Ein beliebtes Essverhalten ist das Snacken. Diese Ernährungsform ist jederzeit ohne feste Bindung an Orte, Zeiten und soziale Gemeinschaft möglich und braucht keine weiteren Zubereitungskenntnisse. Dazu trinken sie gerne Limonaden, Eistees oder Energy Drinks. Viele dieser jungen Männer verbinden mit diesen Konsumgütern ein cooles Image und dienen oft (un)bewusst zur Darstellung der eigenen Person.
Laut jüngster Österreichischer Ernährungsstudie (GfK 2010) wird Kochen häufiger als „kreative Tätigkeit, an der man Freude hat und mittels derer man sich selbst „verwirklicht“ gesehen, seltener als Routinetätigkeit oder gar als lästige Pflicht. Immer mehr Männer sehen Kochen als kreative Tätigkeit an. Frauen hingegen erleben Kochen eher als Routine oder Pflicht.
Geschlechtersensible Gesundheitskommunikation zählt zu den zentralen Faktoren für ein erfolgreiches Erreichen von Männern und Frauen. Wer Jugendliche erreichen möchte, muss deren Wünsche und Bedürfnisse wie soziale Anerkennung, physische und psychische Fitness, den Wunsch nach Schönheit, aber auch nach Autonomie und Erwachsensein befriedigen. Im deutschsprachigen Raum gehören ca. 85 % der Jugendlichen zumindest einer Szene an. Symbole und Codes sind in den jetzigen Jugendkulturen ein wesentlicher Träger von Informationen geworden. Wer Informationen zielgenau vermitteln will, braucht die jeweiligen Codes dieser Gruppen. In der heutigen Konsumgesellschaft wird außerdem die Art und Weise, wie etwas präsentiert wird, immer wichtiger. Der Inhalt ist sekundär.
Um männlichen Jugendlichen den Wert einer gesunden, genussvollen Ernährung zu vermitteln, darf „gesunde Ernährung“ nicht im Vordergrund stehen, sondern Themen wie Genuss, Anerkennung, Erlebnis, Fitness oder der Wunsch nach Erwachsensein. Und gerade Jugendliche sind offen für Neues und Unbekanntes, was eine große Chance für Veränderungen ihrer Ernährungsweise und der ihrer Umgebung mit sich bringt.
Wenn Sie sich für ein Kochprojekt für Lehrlinge interessieren, empfehlen wir Ihnen diesmal die Website www.forum-ernaehrung.at
Wenn Sie Fragen, Wünsche, Anregungen oder Tipps haben, steht Ihnen auch das Kornspitz®-Team gerne zur Verfügung. Schreiben Sie ein Mail an info@kornspitz.com
Mag. Gerda Reimann-Dorninger
Ernährungswissenschafterin
Physiologische Veränderungen
Die Pubertät zeichnet sich durch radikale körperliche und psychische Veränderungen aus. Das Hormon GnRH (Gonadotropin Releasing Hormon) gibt dabei den Anstoß für die Wandlungen im Körper. Es entsteht plötzlich in größeren Mengen im Hypothalamus und regt die benachbarte Hirnanhangdrüse an, die Botenstoffe – luteinisierendes Hormon (LH) bzw. follikelstimulierendes Hormon (FSH) – zu bilden, die auf Hoden und Eierstöcke wirken, wo die eigentlichen Geschlechtshormone produziert werden.
Die Wachstumssteigerung am Beginn des Lebens verlangsamt sich in den ersten drei Lebensjahren stetig, bleibt dann von vier bis zehn Jahre fast konstant bei zirka sechs Zentimeter pro Jahr, um dann bis 14 wieder schnell anzusteigen. Eine gängige Erklärung ist, dass das Körperwachstum verzögert werden musste, um eine Phase zu schaffen, in der die Menschen ungefährdet all die sozialen und kulturellen Fähigkeiten lernen und üben können, die den Menschen ausmachen.
Während dieser Zeit nimmt auch der Knochen an Dichte zu: bei Mädchen bis ca. 17 Jahre, bei Burschen bis in die frühen zwanziger Jahre. Das Längenwachstum beginnt bei Jungen etwa zwei Jahre später als bei Mädchen – zirka mit 14 Jahren – und endet etwa mit dem 19. Lebensjahr. Gemeinsam mit dem Knochenwachstum geht auch eine größere Muskelmasse einher. Bei männlichen Jugendlichen ist das Muskelwachstum ausgeprägter als bei weiblichen. Das Fettgewebe steigt bei Burschen während der Pubertät auf ca. 15 %, während es bei Mädchen durchschnittlich 22 % ausmacht.
Ernährungssituation von Jugendlichen
Wie Ergebnisse des österreichischen Ernährungsberichts zeigen, steht gesunde Ernährung bei männlichen Jugendlichen nicht im Vordergrund. Burschen essen rund 10 % weniger Gemüse und etwa ein Drittel weniger Obst als Mädchen. Besonders auffällig ist der doppelt so hohe Fleischverzehr bei männlichen Jugendlichen gegenüber den weiblichen.
Die Berufstätigkeit beider Elternteile sowie flexible Arbeitszeiten bringen weiters Veränderungen im Essalltag. Etwa ein Drittel der Jugendlichen verbringt das Abendessen gemeinsam mit der Familie. Die meisten versorgen sich häufig selbst, indem sie z. B. Vorbereitetes aus dem Kühlschrank aufwärmen, ein Brot schmieren oder selbst gekaufte Snacks essen. Wird außer Haus gegessen, verlockt das vielfältige Fast-Food-Angebot vor allem junge Männer. 16- bis 17-jährige Burschen nehmen in Deutschland fast dreimal so viel Energie über Fast Food zu sich wie Mädchen. Umso wichtiger ist es, den Esstisch als wichtigen Ort der Familienkommunikation aufrechtzuerhalten. Studien weisen darauf hin, dass die Gespräche am „Familientisch“ vielen Jugendlichen wichtig sind und dass die Bindung zur Familie in den vergangenen Jahren sogar wieder zugenommen hat.
Auch die Ergebnisse des deutschen Bundesfamilienberichts zeigen, dass vor allem in Familien mit größeren zeitlichen und finanziellen Ressourcen die Tendenz zunimmt, Kinder von der Mithilfe bei der Hausarbeit zu befreien.
Das neue Männerbild
Besonders für junge Männer ergibt sich aus den gesellschaftlichen Vorstellungen von Männlichkeit und Mannsein eine sehr spannungsgeladene und oft schwer zu bewältigende Situation. Das traditionell wie auch kulturell verankerte Männlichkeitskonzept (Stärke, Konkurrenz und Risikofreude) steht einem neuen Männerbild wie Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit, Selbst- und Körperbezug gegenüber. Finden Burschen keinen stabilen äußeren Halt, fallen viele Burschen wieder auf das traditionelle Männerbild zurück. Laut Prof. Barbara Methfessel übt die Bewältigung dieser Entwicklungsaufgaben einen großen Einfluss auf das Gesundheits- bzw. Ernährungsverhalten aus.
Wie ernährt Mann sich?
Ein beliebtes Essverhalten ist das Snacken. Diese Ernährungsform ist jederzeit ohne feste Bindung an Orte, Zeiten und soziale Gemeinschaft möglich und braucht keine weiteren Zubereitungskenntnisse. Dazu trinken sie gerne Limonaden, Eistees oder Energy Drinks. Viele dieser jungen Männer verbinden mit diesen Konsumgütern ein cooles Image und dienen oft (un)bewusst zur Darstellung der eigenen Person.
Die Kochlust der Männer
Laut jüngster Österreichischer Ernährungsstudie (GfK 2010) wird Kochen häufiger als „kreative Tätigkeit, an der man Freude hat und mittels derer man sich selbst „verwirklicht“ gesehen, seltener als Routinetätigkeit oder gar als lästige Pflicht. Immer mehr Männer sehen Kochen als kreative Tätigkeit an. Frauen hingegen erleben Kochen eher als Routine oder Pflicht.
Werbebotschaften
Geschlechtersensible Gesundheitskommunikation zählt zu den zentralen Faktoren für ein erfolgreiches Erreichen von Männern und Frauen. Wer Jugendliche erreichen möchte, muss deren Wünsche und Bedürfnisse wie soziale Anerkennung, physische und psychische Fitness, den Wunsch nach Schönheit, aber auch nach Autonomie und Erwachsensein befriedigen. Im deutschsprachigen Raum gehören ca. 85 % der Jugendlichen zumindest einer Szene an. Symbole und Codes sind in den jetzigen Jugendkulturen ein wesentlicher Träger von Informationen geworden. Wer Informationen zielgenau vermitteln will, braucht die jeweiligen Codes dieser Gruppen. In der heutigen Konsumgesellschaft wird außerdem die Art und Weise, wie etwas präsentiert wird, immer wichtiger. Der Inhalt ist sekundär.
Fazit
Um männlichen Jugendlichen den Wert einer gesunden, genussvollen Ernährung zu vermitteln, darf „gesunde Ernährung“ nicht im Vordergrund stehen, sondern Themen wie Genuss, Anerkennung, Erlebnis, Fitness oder der Wunsch nach Erwachsensein. Und gerade Jugendliche sind offen für Neues und Unbekanntes, was eine große Chance für Veränderungen ihrer Ernährungsweise und der ihrer Umgebung mit sich bringt.
Wenn Sie sich für ein Kochprojekt für Lehrlinge interessieren, empfehlen wir Ihnen diesmal die Website www.forum-ernaehrung.at
Wenn Sie Fragen, Wünsche, Anregungen oder Tipps haben, steht Ihnen auch das Kornspitz®-Team gerne zur Verfügung. Schreiben Sie ein Mail an info@kornspitz.com
Mag. Gerda Reimann-Dorninger
Ernährungswissenschafterin