
Hefe - ein weitreichender Mikroorganismus
Saccharomyces Cerevisiae - besser bekannt als Backhefe, leistet einen wesentlichen Beitrag bei der Herstellung von Backwaren. Wir beschreiben den Weg vom Zufallsprodukt zum routinemĂ€Ăigen Einsatz in der Lebensmittelverarbeitung.
Zur Botanik
Hefen sind einzellige Mikroorganismen, die zur Klasse der Sprosspilze gehören. Der wissenschaftliche Name der Backhefe lautet Saccharomyces cerevisiae. Saccharomyces kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet "Zuckerpilz". Cerevisiae ist lateinisch und heiĂt ĂŒbersetzt "des Bieres". Die deutsche Bezeichnung geht auf den Physiologen Theodor Schwann in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurĂŒck. Wie der Name schon andeutet, kann Hefe aus Zucker Alkohol produzieren. Hefen sind in der Natur weit verbreitet. Eine groĂe Rolle spielen die verschiedenen Reinzuchthefen, die bei der Nahrungsmittelverarbeitung eingesetzt werden. Dazu zĂ€hlen die Bierhefe, Weinhefe, Backhefe oder GĂ€rhefe.
Zur Geschichte
Schon vor Jahrtausenden machten sich die Ăgypter Hefe bei der Brot- und Bierherstellung zunutze, ohne allerdings ihre Wirkungsweise zu kennen. Die erste Vermischung von Brotzutaten und Hefe war somit ein Zufallsprodukt. Entsprechend waren Wein und Bier vermutlich das Resultat von Traubensaft oder HafergrĂŒtze, die nicht sofort konsumiert wurde, da Wildtypen von Hefe natĂŒrlicherweise auf der OberflĂ€che von Trauben und Getreide vorkommen. Wahrscheinlich entstand das erste aufgegangene Brot aus einem Fladenbrotteig, dem aus versehen ein alkoholisches GetrĂ€nk zugefĂŒgt wurde. Durch die Erfindung des Mikroskops im Jahre 1676 gelang es schlussendlich, Mikroorganismen und somit auch die Hefe zu analysieren. 1859 klĂ€rte Louis Pasteur, der Vater der modernen Mikrobiologie, die Funktionsweise der Hefe auf. Aufgrund der Nahrungsmittelknappheit nach dem Ersten Weltkrieg bestand nun die Notwendigkeit, einen anderen Rohstoff als Getreide zu finden. Die moderne Kultivierung der Backhefen in Melasse (Nebenprodukt bei der Zuckerherstellung) als NĂ€hrstoffquelle begann. Sie erwies sich als einfacher und effektiver als die Kultivierung in Getreidemaischen.
Zum Vorgang
Wenn Hefe Zucker aus der StĂ€rke von Mehl verarbeitet, produziert sie Kohlendioxid. Dieses Gas dehnt die Glutein-Proteine im Mehl und fĂŒhrt zu einer Lockerung des Teiges. Zudem trĂ€gt sie wesentlich zur Aromaausbildung bei. Verantwortlich fĂŒr die Wirkung der Hefe ist der Stoffwechsel jeder einzelnen Hefezelle. Je nach Umgebungsbedingungen - also dem Wasser-, Zucker- und Salzgehalt, Temperaturen und anderen Parametern - können die Resultate sehr unterschiedlich sein.
Zum Inhalt
Hefezellen bestehen zu 65 bis 70 % aus Wasser - ganz Ă€hnlich wie die Zellen des menschlichen Körpers. Die NĂ€hrstoffzusammensetzung der restlichen 30 bis 35 % Trockensubstanz ist folgende: Backhefe ist vergleichsweise arm an Fett und Kohlenhydraten und relativ reich an EiweiĂ, Ballast- und Mineralstoffen. Weiters enthĂ€lt Backhefe hohe Anteile essentieller AminosĂ€uren und ungesĂ€ttigter FettsĂ€uren. Der Natriumgehalt hingegen ist gering. DarĂŒber hinaus enthĂ€lt Backhefe groĂe Mengen an B-Vitaminen, die gröĂtenteils hitzestabil sind.
Verschiedene Hefeformen
Die am meisten verbreiteten Angebotsformen der Backhefe sind WĂŒrfel-, Pfund-, Stangen-, Granulat- und FlĂŒssighefe. Sie bestehen ausschlieĂlich aus reinen Hefezellen. Backhefeprodukte können aus unterschiedlichen StĂ€mmen hergestellt sein. Diese StĂ€mme gehören jedoch alle zur Gattung Saccaromyces cerevisiae.
Frische Hefe wird gewöhnlich als 42 g WĂŒrfel im Lebensmitteleinzelhandel verkauft. Diese Menge ist ausreichend, um einen Teig mit 500 bis 1000 g Mehl zu lockern. Die Einheit 42 g stammt noch aus der Zeit, als die Hefe lose beim BĂ€cker gekauft wurde. Der BĂ€cker hatte ein 500 g StĂŒck, welches er mit Hilfe einer Harfe in 12 StĂŒcke teilte. Eine solche Scheibe hatte dann idealerweise 42 g und dabei ist es bis heute geblieben.
Hefe darf nicht mit einem Backtriebmittel verwechselt werden, welches aus Natrium-bicarbonat und einer geeigneten LebensmittelsÀure besteht.
Unterscheidung "mit Hefe" und "hefefrei"
Der Begriff "hefefrei" wird oft missverstÀndlich verwendet. Viele Konsumenten gehen hÀufig davon aus, dass Sauerteigbrote automatisch "hefefrei" sind.
Gemeint ist jedoch meist das Fehlen von Backhefe. Sauerteig enthĂ€lt immer (neben Bakterien) auch Hefen, allerdings aus verschiedenen, natĂŒrlichen Hefekulturen im Gegensatz zu Backhefe, die nur einen einzigen Hefestamm enthĂ€lt.
In diesem Kontext gibt es derzeit auch einen Trend zum Backen mit sogenannten âWilden Hefenâ, welche anstelle von Backhefe eingesetzt werden. Die so hergestellten Backwaren sollen aromatischer sein und dem Wunsch nach mehr âNatĂŒrlichkeitâ gerecht werden.
TatsÀchlich "hefefrei" sind:
- mit Backpulver gelockerte Brote
- Sauerteigbrote, die mit ausschlieĂlich MilchsĂ€urebakterien hergestellt werden. Diese Brotart gibt es jedoch Ă€uĂerst selten.
Menschen mit HefeunvertrĂ€glichkeit greifen somit gerne zu hefefreien Backwaren wie z. B. dem VegipanÂź (www.vegipan.com) von backaldrin - ein spezielles Vollkornbrot, das ohne Hefezusatz hergestellt wird, die Teiglockerung passiert ausschlieĂlich in physikalischer Form.
Wenn Sie sich nÀher mit dem Thema Hefe beschÀftigen möchten, empfehlen wir Ihnen folgende Website:
https://wissensforum-backwaren.de/publikationen/fachbroschĂŒren
Sie haben noch Fragen? Dann schreiben Sie an marketing@backaldrin.com.